Die nächste Phase

Wir ziehen nach Frankreich

SFR oder Wenn ein Ausländer mit einem Ausländer

Seit unserem Umzug sind wir ja nun auch Ausländer. Glücklicherweise mit etwas mehr als rudimentären Sprachkenntnissen. Und ohne jemandem etwas vormachen zu wollen. Auch hier in Frankreich benötigt man einheimische Sprachkenntnisse wenngleich sich hier eine stattliche Anzahl von Ausländern niedergelassen hat.

Ich hatte, als wir noch auf dem Campingplatz in Bains sur Oust standen, mit Marie-Annicks freundlicher Unterstützung bei SFR einen Internetanschluss abgeschlossen. Unser erster Besuch galt in Redon dem Telekomladen. Sowohl Bernard als auch Pierre haben dort gearbeitet. Und ihr Vertrauen in die Telekom war ebenso ungebrochen und unbefleckt wie mein Verhältnis zur deutschen Telekom.

Aber alles Vertrauen nutzte nichts, wenn der Anbieter dir gar kein Angebot unterbreiten kann. So wechselten wir unverrichteter Dinge den Laden und fanden uns bei SFR wieder. Wie in Deutschland gibt es in Frankreich eine gleiche Konkurrenzsituation, die dafür sorgt, dass die Anbieter sich immer übertreffen möchten.

Bei SFR hatte ich dann mit meiner SFR Box 4 zumindest ein Produkt gefunden, dass ich bereits auf dem Campingplatz in Bains sur Oust nutzen konnte und das ich dann in unserem Haus in Plusquellec ebenfalls nutzen wollte. Bei dieser Box handelt es sich um nichts anderes als eine, in eine Hülle mit mehreren Schnittstellen gepackte SIM Karte. Quasi wie in jedem Mobiltelefon. Ich war total stolz. Für 20 € konnte ich 200 GB monatlich verbraten, unendlich telefonieren und das mit einer geilen Geschwindigkeit. Das war in Bains sur Oust und das liegt neben der Kantonstadt Redon und dort gibt es eine umfassende Netzabdeckung. Auch auf dem Campingplatz. Einfach an die Steckdose anschliessen, einschalten und lossurfen.

Und genau das wollte ich in unserem Haus in Plusquellec nun auch. Ran ans Stromnetz, einschalten und dann rasend schnell lossurfen. Da hatte ich aber die Rechnung ohne den Wirt aufgemacht. Hier ist nämlich die Netzabdeckung nicht ganz so ideal. Hier sieht es ja aus wie Sauerland oder zumindest Eifel. Hier wohnt ja keine Sau. Obwohl, die gibt es hier wohl. Dafür aber nur wenige Menschen. Mit wenigen Menschen kann man nur wenig Geld verdienen. Und dann kann mir diese Regionen durchaus auch vernachlässigen. Wir wohnen hier quasi in einer Wüste ohne Sand.

Ich musste also aktiv werden. So konnte das nicht weiter gehen. Im Dezember würden meine Tochter und alle Enkelkinder kommen. Da brauchste schon ein halbwegs funktionierendes Internet.

Ich beschloss also anzurufen.

Die erste gewonnene Erkenntnis. Auch in Frankreich kennt man Warteschleifen. Und auch hier muss man zunächst unzählige Auswahlen treffen bevor man jemanden an den Apparat bekommt. Glücklicherweise bin ich ein sehr geduldiger Typ, der zur Not auch 180 mal die Wahlwiederholungstaste drückt während er sich einen Kaffee nach dem anderen reinzieht. Tatsächlich musste ich bei diesem Anruf aber gar nicht so lange warten bis ich jemanden an den Hörer bekam. Mit den ersten Tönen konstatierte ich zwei Dinge. Erstens, dieser Mensch sprach schnell, verdammt schnell. Zweitens, dieser Mensch war vermutlich wie ich, auch kein Franzose. Er sprach mit Accent. Beide Fakten zusammen ergaben wir mich eine absolute Notsituation. Und deshalb warf ich in der ersten Sprechpause, die er einlegte, direkt mein Ausländerargument ein und bat ihn zumindest langsam zu sprechen weil ich als Ausländer aus Deutschland der Unterhaltung mit diesem Tempo nicht folgen kann.

Der gutre Mann erbarmte sich meiner und sprach ab sofort in einer Slow Motion Version. Ich erklärte ihm mein Anliegen und bat darum festzustellen, ob ich hier ein etwas schnelleres Internet erhalten könne. Nach meiner Information läge das Glasfaserkabel bereits im Boden vor unserer Einfahrt. Man müsse doch nun nur noch die Verbindung von der Straße zum Haus herstellen. Redlich um mich und meinen Wunsch bemüht gab er zu wissen, dass er sich die Situation einmal ansehen würde. Ich möge ihm meine Adresse nennen.

Das sind dann so Momente in denen ich an der Sinnhaftigkeit der modernen Technologie und seiner Anwender zweifle. Noch
. zu Beginn unseres Telefonates hatte ich ihm auf seine Nachfrage meine Kunden- und Vertragsnummer genannt. Normalerweise sollte er damit alle Informationen auf einen Knopfdruck einsehen können. Warum um Gottes Willen fragte der mich nun nach meiner Adresse? Ohne mit ihm eine Diskussion zu beginnen nannte ich schnell die Adresse und wartete. Nach schon sehr kurzer Zeit bekam ich dann dieses: "Je suis désolé!" zu hören, was dann in diesem kurzen Satz sämtliche Hoffnungen wie ein Kartenhaus zusammenstürzen lässt. Eigentlich braucht man sich die darauf folgende Erklärung des "Warum" gar nicht mehr anhören. Ich tat es trotzdem.

Ja, Herr Perret (hier in der Bretagne betont man sogar das "t" am Ende meines Namens, es gibt ein Glasfaserkabel in der D28 vor ihrer Tür. Es ist aber lediglich verlegt worden und weder am Anfang noch am Ende des Kabels mit irgendetwas verbunden worden.

Und wann darf ich damit rechnen, dass ich angeschlossen werden kann? So lange kann es doch nicht dauern ein Kabel bei A und bei Z mit irgendetwas zu verbinden?

2024, Herr Perret.

Le paysagiste

Natürlich ist euch nicht verborgen geblieben, dass wir ein etwas größeres Grundstück haben. Natürlich habt ihr mittlerweile auch schon erkannt, dass unsere Vorbesitzer bestimmte Dinge gerne und andere wiedrum vermutlich gar nicht gemacht haben. Zu diesen unliebsamen Dingen gehörte die große Weide. Bernard beschränkte sich darauf, sie von einem Bauern zweimal jährlich mähen zu lassen. Ansonsten hatte er dafür eigentlich keine Verwendung. Was bei mir die Frage aufwarf …. Warum hat er sich dann so viel Land gekauft?

Egal, wir haben es absichtlich und in dem Bewußtsein, dass es Arbeit verursachen würde gemacht. Das Land sieht ohnehin schon sehr groß aus, wird aber von Brombeersträuchern gesäumt, die scheinbar in den vergangenen Jahren immer mehr Lebensraum dazugewonnen haben. Würden sie wieder auf ihr normals Maß gestutzt werden, würden wir rund um unser Grundstücke mit Sicherheit 4 bis 5 Meter dazugewinnen.

Unsere Absicht ist es, auf diesem Gelände einige Stellplätze für Zelte, Wohnwagen oder Wohnmobile einzurichten. Und ehrlich, die Aussicht von oben auf den gegenüberligendenBerg und runter ins Tal …. ist ausgesprochen schön und romantisch. Meine Suche im Internet, nach einem eigenen Traktor verlief bisher ergebnislos. Und einen neuen Traktor kann ich mir nicht leisten. Dann würde keine weitere Maßnahme mehr realisiert werden können. Demzufolge musste ich mir jemanden suchen, der diesen Job übernehmen würde.

Wer sich noch an die Wegbeschreibung zur Déchetterie von gestern erinnern kann, dem fällt es nun leichter nachzuvollziehen, wohin ich nun fuhr. Ich benötigte einiges an Arbeitsmaterial und fuhr zum Point Vert in dem kleinen Industriegebiet vor den beiden Kreisverkehren in Callag. Nachdem ich alles gefunden hatte, was ich kaufen wollte stand ich bei der attraktiven, ca. 35 jährigen, braunhaarigen Verkäuferin mit dem netten Lächeln an. Ich hatte schon bezahlt als mir einfiel, dass ich sie doch fragen könnte, ob sie jemanden im Kundenkreis hat, der mir weiterhelfen könnte.

Sie schaute mich an und sagte nein. Das hatte sie aber noch nicht ganz ausgesprochen als ein … vielleicht hätte ich da doch jemanden … angefügt wurde. Warten Sie, ich gehe mal eben ins Büro. Ich rief ihr noch: Ich werde hier auf sie warten .. hinterher und vernahm dann: Und ich werde solange auf ihn aufpassen! Das kam von einer anderen hübschen Mitarbeiterin, die an einem Regal etwas einräumte und die ich zuvor gar nicht aktiv wahrgenommen hatte. Wären wir in Deutschland, dann hätte ich vermutet, dass sie aus dem Münsterland kommt. Sie hat rote Bäckchen, ach nee das heißt ja Wangen, die sich beim Lachen zu kleinen Kügelchen formen. Die Augen glänzen dann zwischen ihren langen Haaren burschikos. Während wir miteinander unser freundlichstes Lächeln ausgetauscht hatten, kam die etwas kleinere Mitarbeiterin wieder zurück und überreichte mir einen Zettel mit Namen und Telefonnummer von Mikaél aus Plouarch. Ich bedankte mich und machte mich vom Acker.

Mikaél kam am frühen Nachmittag. Ich erläuterte meine Wünsche und wir machten eine Geländebegehung um das Ausmaß der Arbeiten bildlich zu beschreiben. Die Brombeeren sollen wieder in ihre Grenzen gewiesen, die Einfahrt soll befestigt, ein serpentinenartig Weg angelegt, vier Plattformen für Gäste sollen installiert und vor dem Hangar soll ein Rangierplatz vorbereitet werden. Ach ja und ein befestigter Weg zum Hangar, der fehlt auch noch.

Ein paar Tage später warf Mikaél mir ein Angebot für den Rückschnitt rund um das Gelände in Höhe von 500 € vor. Den Rest würde er lieber von einem Freund mit schwerem Gerät erledigen lassen wollen.

Ich schrieb ihm sofort eine Nachricht. Angebot (Devis) ok, wann kommst du?

Auf die Antwort sollte ich eine Weile warten müssen. Das lest ihr dann in einer anderen Zusammenfassung.

Déchetterie

Kurzer Hinweis zwischendurch. Ich habe für den 11.10. und 21.10. zwei Berichte hinzugefügt, deren Aufzeichnungen ich heute wiedergefunden habe.

*****

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Müllabfuhr ist hier anders geregelt als in Deutschland. Der im Haus anfallende Müll wird getrennt. Am einfachsten ist die Trennung des Altglases. Man sammelt alles Glas in irgendeinem Behältnis wie unseren Kunststoffboxen und bringt die dann anschliessend zu einem der aufgestellten Müllkontainer. Der nächste für uns steht ca. 800 m bergauf. Pfandflaschen gibt es hier in Frankreich bisher noch nicht. Viele Getränke sind in Kunststoffflaschen abgefüllt. Aber es gibt natürlich auch jede Menge Glas. Die lustigen 0,25 l Falschen Bier zum Beispiel. Als durchschnittlicher Franzose hat man da nicht viel Glasmüll, denn in die Weinflaschen passen ja mindestens 0,7 l Getränk. Als Bier gewohnter Deutscher oder wie in dieser Region zu 30 % auch zu finden Brite, rennst du dann alle paar Tage zum Glascontainer. Um ehrlich zu sein, schleppst du quasi die ganze Woche …. die Mini-Pullen aus dem Supermarkt nach hause … und 45 Minuten später, nachdem die geleert sind, zum Container. Das nennt man dann Kreislauf.

Daneben gibt es dann noch einen gelben Container in den interessanter Weise aller Kunststoff und auch alles Papier gehört. Also alles das, was man in einer Müllverbrennungsanlage Energie gewinnend verbrennen kann. Ich muss eingestehen, dass uns das als von deutscher Gründlichkeit geprägten Mülltrenner zunächst einmal spanisch vorkam (warum sagt man eigentlich: das kommt mir Spanisch vor?). Wenn es aber so sein soll, dann machen wir das auch so. Und damit es auch möglichst viel zu verbrennen gibt, muss der Müll, der dort in die Container gegeben wird vorab in schwarze Kunststoffsäcke gepackt werden. Das wiederum treibt den Verkauf von Plastiksäcken in die Höhe wodurch natürlich auch die Produktion derer angekurbelt wird und sich der Endverbrauer auch noch an Ankurbelung der Wirtschaft (Konjunktur) beteiligt. Er sichert sich dadurch Arbeitsplätze.

Auch der Restmüll, der im Haushalt anfällt muss noch einmal in so einen schwarzen Sack, bevor man in dann in die graue Tonne wirft. Ich habe mich oft gefragt, ob es nur der Reinlichkeit des Containers dient oder ob es sonst noch irgendeinen anderen sinnvollen und nachvollziehbaren Grund gibt … etwas in einen Kunstsoffsack zu füllen, der eigentlich selber in die gelbe Tonne gehört. Aber zum Glück bin ich kein Politiker, der sich Fragen stellen und solch einen Blödsinn revidieren müsste.

Wir haben nun mittlerweile aber auch ein Menge von Müll angesammelt, den man in Deutschland möglicherweise als Sperrmüll bezeichnen würde und den man an der Straße abstellt, nachdem man ihn vorher beim Entsorgungsunternehmen angemeldet hat.

Gibt es hier in dieser Form nicht. Dafür gibt es aber die Déchetterie, bei dir wir diese Art von Müll kostenlos entsorgen können. Einziges Problem, der Transport. Irgendwie muss das Zeug ja dort hin. Ich bin glücklicherweise in der komfortablen Situation einen recht großen Lastenanhänger zu haben, den ich überhaupt nicht mehr missen möchte. Und obwohl der mit 2,50 m Länge echt schon groß ist, war der bis zur Oberkante mit Müll gefüllt. Auch wenn das Haus bei der Übergabe schon ziemlich leer war, hat uns der gute Bernard ein stattliches Vermächtnis hinterlassen. Und ich wußte nach dieser ersten Beladung bereits, dass noch viele folgen würden. Die Déchetterie würde sicher mein zweites zuhause werden.

Weit muss ich nicht fahren. Ich verlasse uns Anwesen, fahre ca. 1,5 km bis nach Callac immer geradeaus. Sogar im Ort fahre ich weiter gheradeaus. Über die einzige Ampel weit und breit. In Wachtendonk gab es damals auch nur eine Ampel. Ampeln sind für mich Verkehrshindernisse. Ich bevorzuge Kreisverkehre, also fliessenden Verkehr. Und da bin ich hier in Frankreich absolut richtig. Wenn ich dann nach weniger als 2 Minuten Callac auf der anderen Seite den Ort durch zwei Kreisverkehre verlasse, erreiche ich nach ca. 200 m das Ziel.

Ich fahre drauf. Es ist das erste Mal. Ich sondiere die Lage und fahre rechts von den in der Mitte aufgestellten Pilonen den kleinen Hügel hoch und wende oben. Der Wendekreis ist bei meinem Volvo nicht klein, was mich veranlasst langsam und bedacht zu fahren um nicht hin und her rangieren zu müssen. An dieser anderen Seite stehen so wie auch in Pont früher die Container mit einer Entladebucht. Ich kann mich nicht wirklich entscheiden, welche ich nehmen muss und stelle mich deshalb ziemlich zentral auf. Das raubt natürlich eine Menge Platz und erregt die Aufmerksamkeit der Aufsichtsperson. Langer Volvo, lange Deichsel, langer Anhänger …. da muss ich mal hin. Als er sich nähert fällt sein Blick auf das Autokennzeichen. Woher kommen Sie? Aus Deutschland, antworte ich und füge lächelnd hinzu, dass ich extra den weiten Weg auf mich genommen hätte um meinen Müll in Callac abzuladen.

Damit er sich verscheissert fühlt füge ich sofort hinzu, dass wir bei pont carrés ein Haus gekauft hätten und nun mit den Aufräum- Umräum- und Umbauarbeiten begonnen hätten. Und um das noch etwas besser zu verdeutlichen, weil ja hier jeder jeden kennt, erzähle ich ihm, dass es das Haus von den Engländern sei. In diesem Moment verkrampfte sich sein Gesicht und er hielt sich die Hanf vor's Gesicht. Von Engländern?? Da würden wir dann sicher noch die eine oder andere Überraschung erleben müssen. Wie recht er doch behalten würde.

Unter seiner Anleitung lernte ich alle Stationen seines Wirkungsbereiches kennen währenddessen er mich wißbegierig zu meiner Herkunft befragte.

Öl Sterne

Obwohl die Klimadaten in der Bretagne viel sympathischer aussehen als in anderen Regionen dieser Welt, gibt es natürlich auch hier Ausnahmen von der Regel. So ist es zum Beispiel im Sommer nicht so heiß, wie in Spanien, Italien oder auch im Süden Frankreichs. Und weil Ausnahmen die Regel bestätigen, war der letzte Sommer in der Bretagne auch recht warm. Teilweise erreichten die Temperaturen selbst hier die 36 Grad.

Im Winter ist
es in der Regel hier nicht sonderlich kalt, sodass sich die Durchschnittstemperatur für einen normalen Winter um 10 Grad bewegt. Man muss sich aber immer auf alle Eventualitäten vorbereiten. Außergewöhnlicher Hitze kommt man mit einer Klimaanlage bei. Deren Anschaffung kann aber noch ein wenig warten, denn für ein paar Tage lohnt sich das noch nicht! Vor Kälte schützt man sich mit einer Heizung und die haben wir! Selbst 10 Grad mittlerer Wintertemperatur sind für einen kuscheligen Winterabend etwas kühl.

Nach Information unseres Verkäufers Bernard sollten noch ca. 200 l in dem 2000 l fassenden Öltank sein. Durch Klopfen versuchte ich nun festzustellen, wo exakt sich der Pegelstand nun befand. Ein Ölstandsmeter an der oberen Seite des Dankes gab keinen Aufschluss. Der zeigte angeblich nicht die Menge in Liter sondern nur annähernd die Menge in Prozent an. Mein Klopfen hat vielleicht den einen oder anderen Poltergeist erschreckt, erkennen konnte ich daran aber absolut nichts. Ich vermutete, dass dieser Tank doppelwandig war. Anders konnte ich mir das aus sicherheitstechnischen Gründen überhaupt nicht vorstellen. In Deutschland hatte ich damals einen abgesonderten Kellerraum mit einer Stahltüre und die Tanks standen in Betonwannen. Safety first. Hier stand dieser Tank einfach nur so rum!

Da ich also nichts mit Gewissheit feststellen konnte, setzte ich mich an den Rechner und suchte ein Vergleichsportal für die Ölpreise in Frankreich. Fand ich auch. Mein Gesicht verzog sich vor Schmerzen, als ich die Preise angezeigt bekam. 1,62 € pro Liter. Wahnsinn, blanker Wahnsinn. Bestellen musste ich aber dennoch. Wir wollten zwar eine Wärmepumpe installieren lassen, aber noch konnte ich nicht beziffern, wann das realisiert werden würde. Also gab ich die Menge von 1.000 Litern ein und versendete meine Bedarfsanfrage.

Es dauerte keine 10 Minuten, da kam auch schon das entsprechende Angebot rein. Armorine kündigte an, uns so schnell wie möglich - innerhalb der nächsten 5 Tage - beliefern zu wollen.

Und heute, drei Tage später fuhr er dann vor, Jeremy mit seinem Tanklaster von Armorine. Jeremy war sicher unter 30 Jahre alt, schien aber zumindest mit seinem LKW sehr vertraut zu sein denn er fuhr zielstrebig rückwärts bis zu meinem Auto, das vor der Garage (unserem Keller) stand. Er begrüßte mich freundlich und ließ sich von mir den zu befallenden Öltank zeigen. Ich versuchte ihm zu erklären, dass die Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland die strenger seien als hier und ich überhaupt keinen Einfüllstutzen rund um unser Haus finden würde. Er lächelte und entgegnete mir, dass das in Frankreich eigentlich genau so sei. Allerdings hätten manche älteren Häuser das noch nicht.

Na ja, so alt war unser Haus ja nun nicht.

Er inspizierte den Tank, griff gezielt nach diesem seltsamen Meter an der Oberfläche des Tanks und drehte ihn ab. Da sich direkt darüber ein Regalbrett mit dem ganzen Gartenwerkzeug befand, konnte man nicht in diese Öffnung hineinschauen. Jeremy lief zum LKW zurück und begann einenTeil seiner insgesamt 60 Meter Tankschlauch abzurollen. Das Ende legte er vor den Tank. Das kam mir nun aber sehr seltsam vor. Die Öffnung von dem Meter, die einzige die sich scheinbar zum Befallen des Dankes daran befand, hatte nicht einmal 30 % des Durchmessers von dem Schlauch. Aber Jeremy war schon wieder auf dem Weg zum LKW, griff in eine Lade und holte dort einen Stutzen heraus, der einem Schwanenhals glich. Mit dem Schlauch verbunden konnte die Betankung nun losgehen.

Während des Betankens unterhielten wir uns ein wenig über die horrenden Preise und die Menschen, die sich das möglicherweise bald nicht mehr leisten könnten. Plötzlich schwappte es oben an der Öffnung über und Jeremy musste blitzschnell reagieren um den Vorgang abzubrechen. Glücklicherweise war er wirklich sehr reaktionsschnell sodass sich die Menge des übergelaufenen Öls in Grenzen hielt. Er schnappte sich Lappen und so eine überdimensionierte Küchenrolle für Öltanker und reinigte schnell alles. Dann packte er alles zusammen, rollte mechanisch den Schlauch wieder auf und verschloss den Tank wieder mit dem Füllstandsmesser. Ich war unterdessen ein wenig in Panik geraten, denn nachdem Jeremy ja alles sauber gemacht hatte, tropfte es erheblich an der Seite und es bildete sich eine Öllache. Jeremy schaute ebenfalls ein wenig erregt, stellte dann aber fest, dass es an der Seite ein Schauglas gab, das den Füllstand anzeigte. Das war nun für uns beide neu. Nun konnten wir aber erkennen, dass der Tank Rappel voll war. So voll, dass das Öl durch das Schauglas heraus überquoll und nicht zum Stillstand kam. Nun wäre so eine Ölwanne, wie ich sie früher hatte nicht schlecht.

Jeremy gab den Rat, das Schauglas oben zu verschliessen, denn es sei dort offen. Ich fand das eine gute Idee und beauftragte meine Frau aus einem Korken einen Verschluss zu formen. Nicht ganz so leicht, denn das Schauglas hatte einen nur wenige Millimeter großen Durchmesser. Als der Korken fertig war und dabei reden wir über wenige Minuten Handarbeit, verschlossen wir das Schauglas mit dem durchschlagenden Erfolg, dass sich nun ein Druck aufbaute und sich die Menge der überlaufenden Öles rapide erhöhte. Wir entfernten den Korken wieder und stellten stattdessen eine abgeschnittene Plastikflasche als Auffangbecken darunter. Jeremy hätte sich auch gerne schon entfernt gehabt, hätte er nicht noch bei mir die Bezahlung entgegen nehmen müssen.

Für die letztlich doch nur 824 Liter, die hineingingen müsste ich nun etwas über 1.300 € bezahlen. Ob ich das mit einem Scheck begleichen wolle. Jeremy staunte nicht schlecht, als ich ihm sagte, dass ich gar keine Schecks habe, weil es die in Deutschland schon seit ewigen Zeiten für Privatpersonen überhaupt nicht mehr gibt. Dann müsse er telefonieren, sagte er, setzte sich ins Führerhaus und telefonierte mit der Buchhaltung.

Stolz auf die modernen Errungenschaften der digitalen Zahlung hinweisend, bot ich ihm an die Rechnung jetzt und hier, an Ort und Stelle durch Direktüberweisung von meinem Konto bei der ING, zu begleichen. Die Buchhaltung und er berieten sich, sein Gesicht veränderte sich. Mal Stirn runzelnd, mal fröhlich, mal kritisch und am Ende dann ganz freundlich. Das Ergebnis des Telefonats lautete. Die Firma würde mir eine Rechnung (facture) schicken. Ich könne dann überweisen.

Für jemanden, der erstmalig bei denen bestellt und von ihnen beliefert wird, ein großer Vertrauensvorschuss. Mir war es recht.

Wir hatten Öl und das beruhigende Bewusstsein, dass die Familie nun im Dezember kommen könne und wir ihnen ein warmes zuhause bieten können.

Und nun springe ich mal ein paar Stunden voraus. Es ist Abend. Zu einer gewissen Zeit melden sich Bill und Layla weil sie gerne ihr Geschäft machen möchten. Unsere Hunde sind Gewohnheitstiere, so wie ich! Die Zeichen erkennend machen wir uns dann auf uns anzukleiden um gemeinsam mit unseren Rowdys ein paar Runden auf der Hundewiese zu drehen. Selbst nun, Ende Oktober war es immer noch angenehm warm abends. Und der Himmel war klar, sternenklar.

Und wenn ich das nun so sage, dann können sich die meisten von euch gar keine Vorstellung davon machen, wie klar ein Himmel sein kann und welche Mengen man da an Sternen zu sehen bekommt. Das letzte Mal, dass ich das so in dieser Form erlebt habe, war 1972 am Strand von Soulac sur mer (nordwestlich von Bordeaux). Der Umstand, dass es hier bei uns keine Straßenlaternen gibt und die Lichter an unserem Haus um diese Uhrzeit auch alle erloschen sind, verstärkt diese überwältigende Schönheit. In diesem Moment wünschte ich mir innig, dass meine Enkelkinder diesen natürlichen Eindruck auch bald erleben können. Eine Milchstraße in ihrer ganzen Pracht.

Ein Moment, in dem ich mir sagte…. Junge, du hast alles richtig gemacht.

Unverhofft kommt oft

Wir freuen uns sehr über unsere weiteren bestehenden Kontakte nach Deutschland. Und wir freuen uns auch über Anrufe von Freunden und Bekannten und natürlich auch unserer Familienangehörigen. Am 25.10.22 klingelte mein iPhone und auf dem Display konnte ich schon sehen, es war Hubert. Hubert ist der Vater des nicht zum Schwiegersohn gewordenen Vater meines ältesten Enkelsohnes. Wir unterhalten ein sehr gutes und angenehmes Verhältnis miteinander. Wir schwimmen auf der gleichen Wellenlänge. Uns trennt lediglich ein Tag bei unserer Geburt und wir teilen nicht nur das selbe Sternzeichen sondern auch noch die Leidenschaft zum FC Schalke 04 sowie viele andere Eigenschaften. Bei uns im Ruhrgebiet würde man damals gesagt haben "Ein Herz und eine Seele".

Nach dem üblichen Smalltalk eröffnete mir Hubert, dass er seinen Urlaub (er ist auch in Pension und hat ja nun auch ständig Urlaub) plane und dieses Mal gerne in die Bretagne kommen würde. Er käme mit seinem Wohnmobil und bräuchte nur einen Stellplatz. Und Platz haben wir ja tatsächlich genug. Um sich dort häuslich einzurichten muss ich halt nur noch so schnell wie möglich zumindest Strom und Wasser an die entsprechenden Stellen legen lassen. Da das aber ohnehin geplant war, muss ich nun eben lediglich etwas Druck dahinter setzen.

Und es sieht gut aus.